WUNDERKAMMER OBERÖSTERREICH: Bunte Steine – was bleibt 10.02. – 28.03.2021


Pressemitteilung vom:
10. Februar 2021

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WUNDERKAMMER OBERÖSTERREICH: Bunte Steine – was bleibt
10.02. –28.03.2021

Ein Kunstprojekt von Christoph Mayer chm. in Zusammenarbeit mit Andreas Hagelüken
Idee und Konzept: Martin Heller und Julia Stoff


Was war? Und was wird mit der Welt geschehen sein?

Aus dem geschredderten Asphalt einer Straßenkreuzung wurde eine Landschaft mit Steinen. Die Wunderkammer Bunte Steine – was bleibt sucht die Perspektive dieser Steine als künftige und keineswegs stumme Zeugen unserer Gegenwart. Gedankenkompositionen aus Gesprächen mit Persönlichkeiten unterschiedlicher Standpunkte, Hintergründe und Herkunft laden die Besucher*innen ein, einen Blick zurück auf unsere Gegenwart zu werfen. Körper, Gedanken und Raum verschmelzen zu einer einzigartigen Ausstellungserfahrung – ein Tanz in unvorstellbare Dimensionen.

Die Ausstellungsreihe Wunderkammer Oberösterreich widmet sich ungewöhnlichen und vielschichtigen Besonderheiten des Bundeslandes. Sie versammelt Alltagsgegenstände und Kunstwerke, Bildwelten und Fundstücke, um die sich seltsame und gerade deshalb bedeutungsvolle Geschichten ranken.

Nach „Wiar a Hünderl sein Herrn“ und „El Dorado (ob der Enns)“ nimmt die dritte und letzte Ausstellung der von Julia Stoff und Martin Heller kuratierten Reihe Bezug auf Adalbert Stifters 1853 erschienene Novellensammlung Bunte Steine. Stifter war in hohem Maße fasziniert von den geologischen Erkenntnissen seiner Zeit, damals nahezu eine Modewissenschaft, und das Potenzial der Steine, Geschichte zu verkörpern, mag ihn zur Wahl seines Titels geführt haben. Denn seine sechs Erzählungen, nach ausgewählten Mineralien benannt, spüren in eigentümlicher Breite und Tiefe der Vergangenheit nach, und dem Leben in und mit ihr.

Bunte Steine – was bleibt nimmt sich heraus, Stifter auf ganz besondere Weise zu begegnen: in einer ständigen Bewegung zwischen Vergangenheit und Zukunft, und in dem Versuch, Steine buchstäblich zum Sprechen zu bringen. Die zeitlichen, räumlichen und gedanklichen Bezüge, die sich dabei auftun, werfen kaum fassbare Fragen auf. Nach dem, was war, auch weit vor den Menschen, und vor allem nach dem, was mit der Welt geschehen sein wird.

Entstanden ist eine Landschaft aus dem geschredderten Asphalt einer stark befahrenen Linzer Straßenkreuzung. Dieser Zivilisationsschutt nimmt in ruhigem, fast geheimnisvollem Halbdunkel zahlreiche Steine vor allem aus den Geowissenschaftlichen Sammlungen der OÖ Landes-Kultur GmbH auf. Die Exponate reichen von einem Meteoriten, älter als die Erde selbst, bis hin zu Mühlviertler Granit, der ursprünglich aus der Gegend des heutigen Afrikas kommt. In ihrer Unterschiedlichkeit sind sie ein essentieller Teil des Gesamterlebnisses .

In dieser aufgebrochenen Landschaft verwischen die Grenzen zwischen den Betrachter*innen und den gezeigten Objekten. Audiospuren führen durch die Unebenheiten und laden dazu ein, sich an sieben Stationen tiefer auf bestimmte Steine einzulassen. Der eigene Körper tritt in einen Gedankenraum ein und findet unterschiedliche Gegenüber – in den Steinen wie in den mit ihnen verbundenen Stimmen. Wie in der in Österreich wohl bekanntesten Arbeit von Christoph Mayer chm. und Andreas Hagelüken, dem Audioweg Gusen, bei dem die Besucher*innen durch eine Ortschaft und deren Geschichte geleitet werden, entsteht auch hier eine Art Wanderung.

Christoph Mayer chm. hat mit Persönlichkeiten unterschiedlicher Standpunkte, Hintergründe und Herkunft Gespräche geführt: einem Astronauten, Jäger*innen und Sammler*innen der Ju/’Hoansi aus der Kalahari, einer der vielleicht ältesten lebenden Kulturen der Erde, Spezialist*innen für Wirtschaft und Künstliche Intelligenz, einer Klimaaktivistin, einem Sozialpsychologen, einem Genforscher, Kindern, einer Prähistorikerin, einer Kulturwissenschaftlerin.

Im Angesicht der Steine sprachen und sprechen sie darüber, was die Wahrnehmung der Steine in ihnen auslöst, wie sie sich in ihnen spiegeln, welche Gefühle und welche Irritationen entstehen, welche Freude aufbrechen kann, welche Rätsel und Unlösbarkeiten sich stellen. Sie sprechen über Räume, die sich auftun, über die landwirtschaftliche Revolution, kosmische Vorgänge, den Klimawandel, die Vorstellungen von Menschen, die Gestaltung der Welt, die Begrenztheit der eigenen Zukunftsvorstellungen – und sie versuchen, Zeit in die Vergangenheit und die Zukunft zu denken.

Die Interviews waren lang, ausufernd und weitreichend. In Zusammenarbeit mit der Psychologin Clava Grimm hat Christoph Mayer chm. versucht, die innersten Gedanken seiner Gesprächspartner*innen zu finden. In der intensiven Montagearbeit, zusammen mit dem Radiokünstler Andreas Hagelüken, wurde aus diesem Material ein Gewebe von Sentenzen komponiert, offen und fragmentarisch gestaltet. Den Besucher*innen wird ermöglicht, in die Köpfe anderer einzutauchen und sich auf eine Gedankenwelt einzulassen, die auch die eigenen Überlegungen und Gefühle einzuspinnen vermag.

Teil der Montage sind zudem Klänge, die aus den Steinen selbst kommen - mithilfe eines Kontaktmikrofons, das auf den Steinen angebracht war und in ihr Inneres hören konnte.

So ist die Wunderkammer Bunte Steine – was bleibt alles andere als eine statische Inszenierung. Zwischen Körper, Gedanken und Raum ergibt sich eine ständige Bewegung über Millionen, ja Milliarden von Jahren hinweg.

 

Gesprächspartner*innen:

!Kasa und N/amse, Jäger*innen und Sammler*innen der Ju/’Hoansi, Kalahari
Aleida Assmann, Kulturwissenschaftlerin, lehrte u.a. an den Universitäten Konstanz, Princeton und Yale
Daniel Dahm, Geowissenschaftler und Unternehmer, u.a. Spokesperson Eco System Restauration des World Future Council, Mitglied Club of Rome Germany
Nora Freudenberg, Klimaaktivistin und Statistikerin
Julia Lechner, Sonderpädagogin und Fußballtrainerin
Jutta Leskovar, Prähistorikerin, leitet die Sammlung für Ur- und Frühgeschichte der OÖ LKG
Kinder Lilo und Yuma
Michaela Keplinger-Mitterlehner, Wirtschaftsexpertin und Bankmanagerin, stellvertretende Generaldirektorin der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich
Claude Nicollier, Astronaut, unterrichtet Astrophysik an der EPFL, Lausanne
Franz Seyer, Bauer an der Berglitzl
Harald Stachelscheid, Genforscher und Biotechnologe,  leitet die Core Facility Stammzellen, Charité Berlin
Robert Trappl, Experte für künstliche Intelligenz, leitet das österr Forschungsinstitut für Artificial Intelligence
Roland Urban, Psychologe, schamanisch Praktizierender, Geschäftsführer der Foundation for Shamanic Studies Europe
Harald Welzer, Sozialpsychologe, lehrt u.a. an der Univ. St. Gallen, Direktor der Stiftung Futurzwei
 

Hinweis: Zur Ausstellungsreihe WUNDERKAMMER OÖ erscheinen Anfang März drei Publikationen.

Biografien

Christoph Mayer chm.

Geboren 1975 in Linz. Rauminstallationen und transdisziplinäre Kunstprojekte. Im Zentrum seiner Arbeit stehen orts- und situationsspezifische Untersuchungen, in denen er das Publikum zu teilnehmender Beobachtung und aktiver Auseinandersetzung einlädt. Studium an der Universität der Künste Berlin (Rebecca Horn), Akademie der Bildenden Künste Wien (Michelangelo Pistoletto / Heimo Zobernig), in Japan bei den Tänzern Min Tanaka und Kazuo Ohno.

Konzeption und Realisierung permanenter Kunstprojekte, u. a.: Kunst + Museumsprojekt in der Psychiatrie Zschadraß, Deutschland (www.ort-jenseits-der-strasse.de); AUDIOWEG GUSEN, Österreich (www.audioweg.gusen.org); Hörweg durch ein Gefängnis für Frauen und 5 politische Systeme, Berlin Barnimstrasse (www.barnimstrasse.de).

Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, u. a.: SECESSION Wien; ARS ELECTRONICA Linz; Architekturzentrum Wien; Essl-Museum Klosterneuburg; Living History Forum Stockholm; Shanghai Spring Art Salon; Szamzie Space Seoul Korea; Centro d’arte Contemporaneo Santiago de Compostela, Spanien; Galerie Aedes Berlin; Gemäldegalerie am Kulturforum Berlin; Sophiensäle Berlin; Museum Arbeitswelt Steyr,OÖ; Frankfurter Positionen, Frankfurt am Main; Akademie der Künste Berlin. Künstlerische Produktionen für: Deutschlandfunk, Hessischer Rundfunk und ORF.

Andreas Hagelüken

Geboren 1963 in Homberg, DE. Studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Bonn und Freiburg und begann seine Radioarbeit beim Sender Freies Berlin (SFB). Zahlreiche Autorenproduktionen und Künstlerportraits. Entwickelte für die Akademie der Künste, Berlin und den SFB das freie Soundarchiv www.hoerspielbox.de. Klangkunstmagazin „Sound Rules – Aktuelles aus der Welt der Klangkunst“ für den Sendeplatz „Internationale Radiokunst“ (SFB/rbb). Kurator der rbb-Klanggalerie. Anthologie-Reihe „Neue Radiokunst international“ (SWR). Kurator für radioTesla im TESLA medien <kunst> labor, Berlin. Mehrere Kunstprojekte mit Christoph Mayer chm., u.a. „AUDIOWEG GUSEN“. Veröffentlichte Kritiken und Publikationen zur Geschichte und Produktions-Ästhetik der ars acustica und Audiokunst in Deutschland.

Wunderkammer Oberösterreich
Bunte Steine – was bleibt
  

Ein Kunstprojekt von Christoph Mayer chm. in Zusammenarbeit mit Andreas Hagelüken
Idee und Konzept: Martin Heller und Julia Stoff

Stimmen: Aleida Assmann, Daniel Dahm, Nora Freudenberg, Yuma Grimm, !Kasa, Michaela Keplinger-Mitterlehner, Julia Lechner, Jutta Leskovar, N/amse, Claude Nicollier, Franz Seyer, Harald Stachelscheid, Lilo Stoff, Robert Trappl, Roland Urban, Harald Welzer

Sprecher*innen: !Kasa: Emma Drogunova, N/amse: Philipp Hochmair

Sounds: Andreas Bick
Geologische Beratung: Franz Neuhold, Erich Reiter
Psychologische Beratung: Clava Grimm
Geologische Sammlungen OÖ Landeskultur GmbH: Björn Berning, Martin Studeny

 

Unterstützt von: Diözese Linz, Natursteine Beck, OK I Friends, Salzamt Linz und Oberösterreichische Versicherung AG.


Ausstellungsdauer:
10.02. – 28.03.21

Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 16:00-20:00
Sa, So: 10:00-20:00
Der Eintritt ist frei.

Coronabedingt ist die Besucherzahl in der Wunderkammer sehr begrenzt. Alle Besucher*innen werden ersucht, Ihren Besuchstermin online zu reservieren. Der Eintritt ist FREI.

Veranstaltungsseite & Anmeldung:
http://www.ooekulturquartier.at/wunderkammer

OK im OÖ Kulturquartier
OK Platz 1, 4020 Linz
T: +43(0)732/7720-52501
www.ooekulturquartier.at

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Pressefotos

Wunderkammer Oberösterreich:
Bunte Steine – was bleibt

Alle Fotos: Otto Saxinger